Adressen zu verkaufen

Über die Briten lacht man ja gerne. Da werden Daten einfach so “verloren”, regelmäßig verschwanden scheinbar CDs der Behörden mit sensiblen Daten. Irgendwann stellte sich dann heraus, dass auch hier bei uns so etwas geschehen kann – aber das ist immer noch unser geringstes Problem, wie es scheint. So, wie momentan mit unseren Daten umgegangen wird (und da sind wir als Verbraucher oft selbst für verantwortlich), hat mich dann doch der folgende Bericht nicht wirklich schocken können:

“Adressen zu verkaufen. Nur einmal genutzt”

Schnell mal zwei Stichworte bei Google im Internet eingeben, und zwar “Adressen kaufen”, und schon gibt’s den Link zu einer Seite voller Kleinanzeigen. Eine klingt verlockend: “Adressen zu verkaufen. Wurden nur einmal genutzt. Bei Bedarf bitte melden.”

Wir schreiben also eine E-Mail an diesen dubiosen Verkäufer. Anonym und aus dem Internetcafé heraus. “Hallo! Ich habe Interesse an ihren Adressen”, lautet unsere Anfrage. “Was sollen sie mit Bankverbindung kosten?”
Tausende Adressen “mit Bankverbindung natürlich”

Genau 15 Minuten später kommt die Antwort. Er sitze in Tunesien, schreibt der Datenhändler. “Wir haben Adressen, die für Gewinnspiele geeignet sind – mit Bankverbindung natürlich. Sagen Sie, wie viele Sie brauchen.” Wir bestellen zunächst 200 Adressen zum Anschauen, “später bitte mehrere Tausend und bei Gefallen 50.000”.

Dazu hab ich mal ein paar alte Videos zusammengekramt die es ganz gut zusammenfassen…

Darauf läuft es doch hinaus – klar, es muss ein Umdenken in den Politik stattfinden, man muss die Daten der Bürger mit mehr Vehemenz schützen, gerade gegen die Wirtschaft, und man muss weniger auf Überwachungsmethoden setzen bei Terrorismus- und Kriminalitätsbekämpfung. Gleichzeitig müssen wir als Bürger auch besser mit unseren Daten umgehen. Es gibt social networks, wo man so ziemlich jedem Zugriff auf so ziemlich alle seine Daten gibt, über Blogs und Foren werden teilweise recht private Details über das eigene Leben preisgegeben, usw usf, und alles bleibt im Internet. Man hat keine Kontrolle darüber, wie lange etwas im Netz stehen bleibt – Google speichert gerne schonmal ältere Varianten von Foren und Blogs, Social Networks speichern am liebsten alles, selbst wenn man den Account löscht (und verdienen auch schonmal Geld über besagte Daten), und zu guter letzt werden munter Daten weitergegeben an ominöse Verkäufer, Anrufer und andere. Mehr Medienkompetenz ist dringend notwendig, und da kann man eben zur Abwechslung mal nicht einfach nur den Staat für Verantwortlich machen, denn der schafft oft nur Rahmenbedingungen, die nicht ausreichen, um uns vor uns selbst zu schützen. Also immer brav die Kekse löschen.


Update:

Nun bin ich doch etwas überrascht. 10h sind vergangen, und mein Blog hat eine überraschend hohe Besucherzahl in dieser Zeit gehabt – unter anderem dank folgenden Suchbegriffen:

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Mir fehlen die Worte…

 

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2 thoughts on “Adressen zu verkaufen”

  1. Wer schon mal im Callcenter gearbeitet hat, weiss dass im dortigen Datenbestand fast ganz Deutschland enthalten ist. Und es werden auch in diesem Bereich immer mehr Dienstleistungen von dort ins billige Ausland ausgelagert. Datenschutz hat somit absolut keine Chance.

     

Juhu! Jemand, der nicht bei facebook kommentiert! Oldschool!